Mein Großvater Jacob Vahner ist in der Stadt Engels, in der Region Saratow geboren und aufgewachsen. Wegen der Suche nach einer Arbeit, verließ mein Großvater Engels und kam nicht mehr in seine Geburtstadt zurück. Aber auch Jahrzehnte später träumte er von einer Rückkehr in seine Heimatstadt. Davon erzählte er auch seiner jüngsten Tochter Ludmilla, meiner Mutter. Aber sein Traum ging nicht in Erfüllung. Jahre später besuchte ich das Heimatland meines Großvaters.
Während der Zeit der Sowjetunion arbeitete mein Großvater, dem Ruf der Jugendpartei folgend, in einer Stawropol Kolchose. Dort lernte mein Großvater Jakob auch meine Großmutter Daria kennen. Sie verliebten sich in einander und beschlossen zu heiraten. Die Familie wurde grösser, bald wurden zwei kleine, schöne Mädchen geboren.
Doch dann kam der zweite Weltkrieg. Das glückliche Leben einer jungen Familie endete. Da der Nachname meiner Familie, «Vahner», kein slawischer Nachname war, kamen meine Grosseltern automatisch in das NKWD. Der Vater der Familie wurde nach Sibirien in eine Arbeiterkolonie versetzt und die Mutter mit den Kindern nach Kasachstan. Auch sie kamen in ein Arbeitsdienst. Gemeinsame Treffen waren nicht erlaubt. Sie konnten sich erst wieder nach dem Ende des Krieges sehen. Mein Großvater Jakob musste jedoch in Sibirien bleiben. Nach mehreren Versuchen durfte meine Großmutter Daria für einen ständigen Aufenthalt dorthin ziehen. Kurz nach dem lang ersehnten Treffen im Jahre 1946 wurde Ludmilla geboren.

Die Familie lebte in der Kaserne. Das war ein Gebäude aus Holz mit großen Zimmern. Dreißig Menschen lebten darin. Um ein wenig Privatsphäre zu haben, wurden Vorhänge, als Wandersatz, aufgehängt. Das war für die Familie eine schwere Zeit. Soweit möglich, versuchten sie ihr Leben zu leben und arbeiteten für das Wohl ihres Landes.

Erst viele Jahre später konnten Sie ein eigenes Zuhause bauen. Ihr Haus war ein kleines Haus in der hügeligen Stadt Prokopjewsk. Prokopjewsk ist derart hügelig, dass parallel verlaufende Straßen auf verschiedenen Erdebenen waren.
Obwohl der Krieg zu Ende war, wurde meine Familie weiterhin von der NKBD kontrolliert. Sie mussten auch zur Strafverfolgungsbehörde gehen. Dies dauerte bis in die 90er Jahre. Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion.
Elena Kurnosowa



